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Vom Borsig-Mustergut zur grünsten Tagungslocation Europas: Das Landgut Stober im Porträt

Geschrieben von Maximilian von Brühl | Mai 19, 2026

Wie ein historisches Anwesen im Havelland zur eigenständigen Marke wurde, und warum SEO und MICE Portal heute ersetzen, was früher die Brieftaube leistete. 

Es gibt Orte, deren Geschichte mehr ist als ein Werbeargument. Das Landgut Stober im brandenburgischen Havelland gehört dazu: ein historischer Ort direkt am See, umgeben von altem Parkbestand. Schon 1866 kaufte Industrieller Albert Borsig, der König der preußischen Lokomotiven, das damals 2.700 Hektar große Gut in Groß Behnitz. Sein Ziel: die Werkskantinen seiner mehreren tausend Berliner Arbeiter mit Gemüse und Kartoffeln aus eigener Landwirtschaft zu versorgen. Weil das Telefon noch nicht erfunden war, kam die Bestellung aus der Hauptstadt per Brieftaube. Ergänzt wurde der Lieferweg durch eine eigens gebaute Bahnlinie, die später bis Magdeburg verlängert wurde. So selbstverständlich High End war die Borsig’sche Versorgungslogistik vor 160 Jahren.

Wenige Jahrzehnte später, im Oktober 1941, traf sich auf demselben Gelände Geschichte ganz anderer Art. Ernst von Borsig junior, Urenkel August Borsigs und 1933 zum Gutsherren geworden, lud Mitglieder des Kreisauer Kreises nach Groß Behnitz ein. Helmuth James von Moltke, Peter Yorck von Wartenburg und Adam von Trott zu Solz waren unter den Gästen. Drei Tage lang dachten sie hier eine Welt nach dem Nationalsozialismus. Die meisten von ihnen bezahlten ihren Widerstand später mit dem Leben. Borsig selbst starb im September 1945 in sowjetischer Gefangenschaft.

© Peter Stumpf (Landgut Stober) – Dicke Bertha

Heute, 85 Jahre nach diesen Tagungen, ist genau dieser Ort zur nachhaltigsten Tagungslocation Europas geworden Aus der Ruine, die Michael Stober im Jahr 2000 von der Treuhand übernahm, entstand kein klassisches Hotel, sondern ein eigenständiger Tagungskosmos mit 300 Zimmern, 30 Tagungsräumen und rund 200 Mitarbeitenden. Klimabilanzen seit 2013, GSTC-Zertifizierung der UN, Gemeinwohl-Ökonomie als Bilanzierungsmodell. Nachhaltigkeit bleibt hier nicht Kommunikationsdisziplin, sondern beeinflusst Investitionen, Gewinnverteilung und Betriebsführung. Genau diese Haltung prägt auch die Vertriebs- und Marketingstrategie des Hauses, über die Eigentümer Michael Stober und Marketing-Lead Sina Richter im Gespräch mit MICE Portal berichten.

 

95 Prozent MICE und das mit Überzeugung 

Brieftauben sind heute aus dem Tagungsalltag verschwunden, die Spezialisierung der Borsig-Generation lebt fort. Wer ein Haus mit 300 Zimmern, 30 Tagungsräumen, vier Küchen, einem Restaurant mit Seeterrasse auf einem ausgedehnten Areal am Groß Behnitzer See betreibt, steht vor einer offensichtlichen Aufgabe. All diese Kapazitäten müssen verlässlich ausgelastet werden, sonst trägt sich das Modell wirtschaftlich nicht. Das Landgut Stober hat darauf eine klare Antwort gefunden, die zugleich seine Identität prägt. Ein Versuch, das Haus stärker für den Individualtourismus zu öffnen, scheiterte schnell an der Praxis. Tagungsgäste und Freizeitreisende lassen sich kaum sinnvoll unter ein Dach bringen.

 

 

Die Konsequenz ist eindeutig. Das Landgut Stober versteht sich nicht als Hotel mit ein paar Tagungsräumen, sondern als eigenständige Veranstaltungsdestination. 95 Prozent des Umsatzes kommen aus dem MICE-Bereich, davon rund 10 bis 15 Prozent aus Hochzeiten. Diese klare Spezialisierung ist keine zufällige Marktreaktion, sondern Ergebnis einer bewussten Entscheidung. Sie erlaubt eine fokussierte Kundenausrichtung und macht das Haus zu einem echten Spezialisten für Veranstaltungsplanende.

 

Nachhaltigkeit als Geschäftsmodell

Was viele Hotels als Nachhaltigkeits-Marketing betreiben, ist beim Landgut Stober tief im Geschäftsmodell verankert. Klimabilanzen werden seit 2013 erstellt, von 2017 und 2021 trug das Haus die Auszeichnung als „Grünstes Hotel Europas“. Aktuell konzentriert sich das Haus auf die GSTC-Zertifizierung des Global Sustainable Tourism Council der UN, eine der härtesten Auszeichnungen weltweit.

Doch ökologische Nachhaltigkeit ist nur eine Dimension von dreien. Das Landgut Stober bilanziert nach den Prinzipien der Gemeinwohl-Ökonomie. Dieses von Christian Felber 2010 begründete Wirtschaftsmodell stellt nicht den finanziellen Profit, sondern den Beitrag eines Unternehmens zum Gemeinwohl in den Mittelpunkt. Bewertet werden Werte wie Menschenwürde, Solidarität, soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und demokratische Mitbestimmung. Wo eine klassische Bilanz fragt, wie viel das Unternehmen verdient hat, fragt die Gemeinwohl-Bilanz, welchen Wert das Unternehmen für Mitarbeitende, Kunden, Lieferanten, Gesellschaft und Umwelt geschaffen hat.

Während viele Unternehmen über Verantwortung sprechen, ist sie beim Landgut Stober fest in der Gewinnverteilung verankert. 20 Prozent fließen in Form höherer Löhne und Sozialleistungen direkt zurück an die Mitarbeitenden, weitere 20 Prozent werden für humanitäre und gemeinnützige Zwecke gespendet, 40 Prozent bleiben für Reinvestitionen im Unternehmen. Der Rest dient der Sondertilgung bei der Nachhaltigkeitsbank und der Vergütung der beiden Eigentümer Tanja Getto-Stober und Michael Stober. Soziale Verantwortung ist hier keine Imageabteilung, sondern eine feste Bilanzposition.

© Peter Stumpf (Landgut Stober) – Lobby Sichtachse Mooswand

Diese Haltung wirkt auch nach außen. Eine eigene Studie unter Gästen ergab schon vor Jahren, dass 25 Prozent das Haus genau wegen seiner Nachhaltigkeit buchten. Heute dürfte der Anteil deutlich höher liegen, denn immer mehr Konzerne benötigen für die ESG-Berichterstattung verlässliche Belege über klimaneutrale Tagungen. Genau diese Bestätigung kann das Landgut nach jeder Veranstaltung ausstellen.

 

Marketing first, Sales follows  

Während viele Hotels stark im Sales aufgestellt sind und Marketing an externe Agenturen abgeben, geht das Landgut Stober den umgekehrten Weg. Mit zwei Inhouse-Marketing-Profis steuert das Haus den gesamten Kommunikationsmix selbst. Webseite, SEO, Print, PR, Social Media und vor allem Umweltkommunikation, die unter den verschärften EU-Vorgaben für Mittelständler immer anspruchsvoller wird. Erst jetzt baut das Haus den Direktvertrieb mit einer zusätzlichen Vollzeitkraft aus.  

 

 

MICE Portal als Reichweiten-Verstärker

Buchungsportale haben für das Landgut eine klare Funktion: Reichweite über die eigene Webseite hinaus. Genau diesen Punkt hebt Sina Richter beim MICE Portal hervor.

 

 

Hinzu kommt ein praktischer Vorteil im Tagesgeschäft. Über die strukturierte Eingabemaske gelangen alle relevanten Eckdaten direkt im richtigen Format zum Veranstaltungsteam. Das spart Zeit im Angebotsprozess, der nach eigener Aussage der größte Zeitfresser im Verkauf ist. Wo früher die Brieftaube Tage brauchte, schickt das MICE Portal heute eine vollständige Anfrage in Sekunden. 

 

Faire Partnerschaft mit Portalen

Die Begeisterung für Portale gilt nicht universell. Stober und Richter ziehen eine klare Linie zwischen Reichweiten-Partnern mit fairen Konditionen und Anbietern, deren Provisionen die Wirtschaftlichkeit strukturell unter Druck setzen. Eine Provision in der Größenordnung von 10 bis 15 Prozent auf Vermittlungsgeschäft empfindet das Haus als ausgewogen. Solche Konditionen lassen sich kalkulieren und ermöglichen eine echte Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Anders sieht es bei einigen großen, teils international agierenden Buchungsportalen aus, die im Tagungsbereich Provisionssätze deutlich oberhalb der 20-Prozent-Marke aufrufen. Solche Konditionen verschieben das Verhältnis aus der Balance, weil sie die Marge der Hotels strukturell aushöhlen und eine echte Partnerschaft erschweren. Dass sich das Landgut hier eine kritische Position leisten kann, hat einen Grund. Die starke Marke und der bewusst gepflegte Direktvertrieb machen es weitgehend unabhängig von einzelnen Vertriebskanälen. Das Landgut nutzt Portale bewusst als Ergänzung zur eigenen Vermarktung – nicht als wirtschaftliche Abhängigkeit.

Genau aus dieser Position heraus ist dem Haus die faire Partnerschaft mit ausgewählten Portalen wichtig. Reichweite ja, aber zu Konditionen, bei denen beide Seiten profitieren. Genau das ist es, was das Landgut Stober am MICE Portal schätzt.

 

 

48 Stunden bis zum Angebot

Trotz aller Diskussion über KI und Schnittstellen bleibt die Angebotserstellung beim Landgut Stober Handarbeit. 30 sehr individuelle Tagungsräume und Top-Kunden, die kaum jemals Standardanfragen stellen, erfordern persönliche Bearbeitung. Das Haus hat sich darauf einen klaren Service-Level gegeben.

 

 

 

Ein Tagungsort mit Tiefgang

Das Landgut Stober zeigt, wie ein mittelständisches Tagungshotel mit klarer Haltung, konsequenter Markenführung und einem bewussten Channel-Mix langfristig erfolgreich bleibt. Wer eine Veranstaltung plant, die mehr sein soll als ein austauschbarer Tagungscontainer mit Catering, findet hier eine Adresse mit historischem Tiefgang, ökologischer Substanz, eigener Identität und einem Betriebsmodel, das in seiner Konsequenz selten anzutreffen ist. Von Berlin sind es mit dem Auto rund 30 Minuten, das Areal am Groß Behnitzer See bietet von der intimen Vier-Personen-Runde bis zur Großveranstaltung mit über 700 Teilnehmenden den passenden Rahmen – ergänzt durch rund 12.000 Quadratmeter Außenflächen für noch größere Formate.

© Peter Stumpf (Landgut Stober) – Exemplarischer Tagungsraum

Wer einen ersten Eindruck gewinnen möchte, findet das vollständige Profil mit Tagungsräumen, Bildern und Kontaktdaten direkt im MICE Portal: Landgut Stober im MICE Portal entdecken.